Die Traurigkeit
Als die Traurigkeit genug von sich hatte
Eines Tages saß die traurigkeit in einer Ecke
und erzählte der Verzweiflung,
dass die Kraft sie verlassen hätte.
Die Einsamkeit sagte kein Wort,
sie habe es ohnehin schon immer gewusst.
Das Selbstmitleid strich der Traurigkeit behutsam
eine Träne von der Wange und versuchte vergeblich sie zu trösten.
Die Wahrheit ließ sich nicht beirren,
sie war schon immer bitter gewesen.
Da pochte es an der Tür.
"Soll ich öffnen?", fragte die Unentschlossenheit.
"Wer kann das schon sein?",
wunderte sich die Neugier.
"Na mach schon auf!",
forderte das Risiko.
Das Staunen gab einen erleichterten Seufzer von sich,
als das Lächeln eintrat.
Das Lächeln setzte sich zur Traurigkeit.
"Hast du denn noch nicht genug von dir?", wollte es wissen.
"Komm lass uns die Liebe besuchen!"
"Nein", wandte die Vernunft ein, "tu's nicht!"
Doch die Traurigkeit
war schon mit dem Lächeln verschwunden
.
Die Liebe wohnte hoch oben in den Wolken
und hieß die beiden Besucher willkommen.
"Schön, dass du da bist!", sagte die Freude,
die gerade mit dem Gefühl spielte.
"Wir haben dich schon vermisst",
meinte die Geborgenheit.
"Ich habe es nicht mehr ausgehalten",
schluchzte die Traurigkeit.
"Aber jetzt ist alles gut!",
beruhigte die Zärtlichkeit
die Traurigkeit
und nahm sie in die Arme.
Weinend wachte die Traurigkeit auf,
als sich die Hoffnung zu ihr setzte und fragte:
"Was ist passiert?"
"Ich hatte einen wunderschönen Traum,
aber glaubst du,
dass meine Freunde mich vergessen werden?"
"Keine Sorge, wenn du versprichst,
mich nicht aufzugeben,
wirst du noch viele Wunder erleben!",
tröstete die Hoffnung die Traurigkeit
.
"Niemals würd ich dich aufgeben!",
versicherte die Traurigkeit
und schlief beruhigt wieder ein.
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